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Marie-Ann Schwenk
"Die Wanderköchin"

Tel.:    04231 / 800 566
Mobil: 0162 / 65 00 583
Mo.-So. 9.00 - 22.00 Uhr

Holzmarkt 10
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“FRANZÖSISCHER IMPRESSIONISMUS und
SPANISCHER SURREALISMUS

Eine kleine Einführung von Marie-Ann Schwenk

Eine bewegende Zeit der Kunst, Geschichte, Kunstgeschichte und – wie Sie an den Menüfolgen der einzelnen Stilrichtungen erleben konnten, auch in den Küchen!

Zunächst einmal, möchte ich bei dem Gericht anknüpfen, dass aus der weitesten Ferne zu uns gekommen ist, nämlich dem Garnelen-Curry. Eugène Henri Paul Gaugin erblickte am 07. Juni 1848 auf Montmartre das Licht der Welt. Und bereits 1891 reiste er, abgestoßen von der westlichen Zivilisation, nach Tahiti. Dort modifizierte der den klassischen Impressionismus zu einer detaillierten Landschafts- und Figurenstudie. Er nennt seine Gemälde „Dokumente“. Aufmerksame Beobachter können darin sowohl Gesichtszüge und Körperbau, als auch Gesten und Gewohnheiten der Einheimischen genau studieren. In unserer Menüfolge hatte er außerdem noch den Karibischen Gemüsereis, das Ananas-Bananen-Mousse und das Dattelkonfekt beigesteuert.Nun möchte ich Ihnen Henri Toulouse-Lautrec, als Hauptvertreter des französischen Impressionismus, in seinen kulinarischen Vorlieben vorstellen:

1864 geboren, wuchs er in einem vermögendem Schloss des Landadels auf. Bereits von der Wiege an, erlebte er die gourmet-orientierte Speisefestlichkeit seines Elternhauses. Er beschreibet die Küche auf dem „Hotel de Bosc“ als „einen Bienenkorb, in dem von früh bis spät gearbeitet wird. Sie erinnert auf ihre Weise an eine Feuerwehrstation, wo jedes Ding griffbereit liegt, um bei großen kulinarischen Manövern gleich bei der Hand zu sein.“. (S.35) Bereits werktags war der Tisch zum Frühstück mit einer Damasttischdecke gedeckt, welche ein besticktes Monogramm trug, dazu war kostbares Geschirr mit dem Familiensilber gedeckt.

Es gab hausgemachte Marmelade , ambrafarbenen Honig aus der Gascogne, ausgezeichnete Brioches, ausgebeinten Schinken, Leberwurst, luftgetrocknete Salami, Pasteten, selbstverständlich die zur Familie gehörende getrüffelte Gänseleberpastete, mehlgestäubte Brötchen mit brauner Kruste, das Geflügel in Aspik, Hartkäse, Kaffee, Wein und frisch gemolkene Milch. Die Liste der Lieferantenlieferungen verrät, das alle Bewohner des Schlosses über einen ausgezeichneten Appetit verfügten (S.33).

Henri hatte immerzu die Gelegenheit, in der Küche mitzuerleben, wie Leckerbissen, unter dem Kommando der anspruchsvollen Köchin Rose, entstehen. Von ihr lernt er, wie man die richtige Salzmenge einschätzt, erfährt, wie ein Ragout besonders saftig wird und hört von den erstaunlichsten Kombinationen Aal und Trüffel oder Omelett und Safran. Ebenso offenbart Rose ihm die Geheimnisse ihrer raffinierten Süßspeisen. Der junge Henri lernt Geschmacksnuancen zu erkennen und vor allem zu genießen. Eine unerlässliche Vorraussetzung für jene „Grande Cuisine“, welche er in späteren Künstlerjahren so meisterhaft beherrschen wird. Während seiner Jugendzeit, kamen sonntägliche Picknicke in Mode. Angeregt durch das Werk „Frühstück im Freien“ von dem impressionistischen Vorreiter und späteren Kollegen Monet. In diese Zeit, 14. Lebensjahr, fielen auch die schicksalhaften Beinbrüche des Künstlers, unter deren Folgen Toulouse-Lautrec sein ganzes Leben lang zu leiden gehabt hatte.

1882 siedelte er in die Pariser Wohnung seiner Eltern um und besuchte die Ateliers von Montmartre.

1884 , gerade 20 Jahre alt, tritt er als Schüler in das Atelier Cormon, und später Grenier, ein. Von Mitstudenten wird er als allgemein beschrieben: als stets gut gelaunt, mit blühender Phantasie, charmant, geistreich zu weilen bissig, aber sehr diskret.“ (S.53) Freunden verrät er seine Geheimrezepte aus Südwestfrankreich. Vermutlich dank seiner unbekümmerten Einstellung zur Kunst kombiniert mit seiner Experimentierfreude kann er mit der sterilen akademischen Malerei des ausgehenden 19. Jh. brechen und seinen eigenen Stil entwickeln.

„Jedes Atelier ist ein Spiegel des Bewohners.“, ist die Aussage des Künstlers. Bei Toulouse-Lautrec findet sich zwar wenig Ordnung, jedoch jedes Ding an seinem Platz, exotische Objekte und Frauenutensilien. Für Freunde und Modelle ist sein Atelier immer offen und der Maler kocht nicht nur für alle, sondern hat sich auch in der damaligen, noch sehr jungen Kunst des Cocktailmischens, bereits einen Ruf erworben. So liebte er es seine Gästen kühne Kombinationen aus unterschiedlichen Alkoholika vorzusetzen. (S. 62). Und immer hatte er eine kleine Muskatnussreibe zur Hand, um Das Aroma von Weinen oder Nachspeisen zu verstärken. Diese Vorliebe ,kombiniert mit starken Depressionen, legte leider auch den Grundstein für den frühen Tod des Künstlers im Alter von nur 36 Jahren.

Toulouse-Lautrec liebt es für seine Gäste zu kochen. Gerne serviert er, die Familientradition hochhaltend, barocke Abwandlungen von Traditionsrezepten, sowie persönlichen Rezepten, die er von seinen Auslandsreisen mitgebracht hat. (S. 69) Von seinen Seereisen ist überliefert, dass er gerne den Schiffkoch vertrat. (S.84) Er ist sich seinen Kochkünsten wohl bewusst. Denn nur ausgewählte Kunstliebhabern behält er sein „Fetisch-Gericht“, Täubchen mit Oliven, vor und schreibt in einem Brief „Snobs sind es nicht würdig, meine Täubchen mit Oliven zu essen, werden ihrer auch nie würdig sein und so nie wissen, was das wirklich ist.“ (S. 64). Aus keiner, mir bekannten Quelle, ist überliefert, dass Toulouse-Lautrec sich in gleicher Weise über eines seiner Kunstwerke geäußert hat.

Zwar verbringt Toulouse-Lautrec jeden Sommer am Meer und liebt den Aufenthalt in den Dünen, die langen Sandstrände, die endlosen Pinienwälder und den blauen Himmel, doch auf seiner Leinwand erscheint nichts von alledem. Er weigerte sich Bäume zu malen mit der Begründung, „sie ähnelten in seinen Augen einem Spinatgericht“. Und so blieb Henri Toulouse-Lautrec bis zu seinem Lebensende der „Maler der Freudenhäuser“. Wann immer er für einige Tage verschwunden war, wussten seine Freunde, wo sie den Künstler zu suchen hatten.

Für Toulouse-Lautrec war eine Mahlzeit nicht genießbar, wenn ihr nicht ein Hauch von Wahnsinn innewohnte. Er liebte es seine Mitmenschen zu provozieren und zu schockieren, tiefenpsychologisch gesehen, mag man darin vielleicht eine Rache für sein körperliches Schicksal interpretieren. So war es für seine engeren Gefährten auch nicht verwunderlich, dass sich der Maler 1894 ganz in einem Bordell häuslich niederließ. 1890 brachte ihm das Bild „der Ball im Moulin Rouge“ einen großen Erfolg. Er malte alle Kurtisaninnen, ob schön oder hässlich, jung oder alt, naiv oder verdorben und alle stehen ihm Modell. Im gemeinsamen Essen, bei denen Toulouse-Lautrec oftmals als Tischoberhaupt fungierte, bestärken sich Freundschaften und so können in den Bildern alle Geheimnisse des Bordelllebens nachempfunden werden. Daneben ist er weiterhin Gast in allen Cafés und Bars von sieben Uhr abends bis Minimum 2 Uhr morgens. Und so mehren sich die Anzeichen eines rapiden Verfalls immer häufiger, bis Henri Toulouse-Lautrec am  09. September 1901starb und in seinen Werken aber bis heute weiterlebt.

Im benachbarten Spanien wurden einige Künstler von Toulouse-Lautrec inspiriert. So erscheint es fast wie eine Fackelübergabe, dass nur drei Jahre nach seinem Tod, Salvatore Dali 1904 das Licht der Welt erblickte. Oft als „verrücktester Maler des 20. Jh.“ bezeichnet, dessen Kunst auf paranoisch-kritischen Methoden basierte. Mit dieser Methode gelang es ihm das Irrationale, das Unterbewusstsein und die Träume in seinem Surrealismus darzustellen.

Ebensoviel, wie über seine Werke bekannt ist, waren seine Eßgewohnheiten lange im Verborgenen geblieben. Bis zur Veröffentlichung der Autobiographie von Jaume Subiròs, dem Meisterkoch, dem Dalí sein ganzes kulinarisches Vertrauen schenkte. Anhand seiner Aufzeichnung, soll nun der Versuch gewagt werden, einige Werke des Künstlers im Hinblick auf sein Einstellung zur Nahrung zu verstehen.

Eng verwurzelt mit seiner Heimat Ampurdán, am nordöstlichsten Zipfel Katalaniens, lag es bereits in seiner Natur kein Gourmet, sondern, wie er sich selber oft bezeichnete „ein katalanischer Bauer“ zu sein. In einer jahrhundertealten Tradition war die Küche seiner Heimat ein Konglomerat vieler Völkergruppen, Karthager, Römer, Mauren, Franken, Westgoten und Griechen), die das Land erobert hatten. Die einfache katalanische Küche, die der Maler Zeit seines Lebens bevorzugte, kann genauso paradox sein, wie seine Werke, nämlich Hummer mit Schokoladensauce, Kaninchen mit Schnecken, Schweinsfüße mit Zuckerkaramell oder lebendige Seeigel.

In seiner Autobiographie schrieb Dali:“ Im Alter von sechs Jahren, wollte ich Köchin werden. Mit sieben schon Napoleon und mein Ehrgeiz hat sich seither stetig gesteigert.“

Bereits mit 13 Jahren hatte er sein erstes Atelier in der Waschküche auf dem Dach seines Elternhauses. Von den Impressionisten begeistert, malt er kleinformatige Landschaften in deren Stil. In dieser Idylle verbringt er seine Schulzeit, bis zum Abitur. 1922 beginnt der Meister seine Studienzeit an der Kunsthochschule San Fernando/ Madrid. Da er jedoch sein eigenes Genie sehr früh erkannte, sagte er in einem Hörsaal 1926 laut und vernehmlich aus, „dass alle Lehrer in San Fernando unfähig sind, mich zu beurteilen.“ Der sofortige Ausschluss aus der Hochschule war die logische Konsequenz.

So hatte der junge Künstler viel Zeit, seinen eigenen Stil zu entwickeln und veröffentlichte 1927 sein erstes surrealstisches Gemälde „Blut ist süßer als Wein“. Und damit legte er den Grundstein für zwei Themen, welche seine Werke immer begleiten sollten „Brot und Wein“.

Dali mystifizierte den Vorgang des Essens zuweilen, als würde er den lebendigen Gott aufnehmen, ähnlich der Hostie im Abendmahl. So schrieb er in seiner Autobiographie:

„Die Anchovis, die ich kaue, haben in irgendeiner Weise Teil am Feuer, das mich erleuchtet. In mir wohnt ein Genie. Das zwingt mich, diese Wonnen sorgsam zu pflegen, und so unterwerfe ich mich diesem Zwang, so gehorche ich freudig dieser „Heiligen Inquisition“. Alles fängt beim Mund an und sucht sich dann über die Nerven einen Weg zum Körper.“

So war Dali oft nur mit Wein, Brot und Wasser zufrieden, wenn er an einem neuen Bild arbeitete. Das „tägliche Brot“ hat in der katalanischen Küche eine ganz starke Bedeutung, da in diesem Küchenstil kaum Beilagen zu finden sind. Dalí hörte es gerne, wenn seine Kunst als „Essbar“ bezeichnet wurde. Und den Gipfel seines Schaffens in dieser Hinsicht erklomm er 1967 als der Künstler im pariser Hotel „Meurice“ für die Suite 110 essbare Möbel aus Brotteig anfertigte. Sein berühmtes Bild „Abendmahl“ ist damit eine weitere Hommage an das Grundnahrungsmittel der Menschheit.

In seinem Ölgemälde „Herbstlicher Kannibalismus“ von 1936, scheint er bereits eine Vorahnung auf den kommenden Krieg zu haben. 1940 flieht Dalí mit seiner Frau Gala in die USA. Dort hatte er bereits im Vorjahr seine „Unabhängigkeit der Phantasie und Erklärung der Rechte des Menschen auf seine Verrücktheit“ veröffentlicht.

Bereits rund um den Globus gefeiert, musste sich Dalí doch noch bis zum Jahre 1983 gedulden, bis sein Heimatland eine große Ausstellung seiner Werke eröffnete. Bis zu seinem Tode im Jahre 1989 blieb er auch noch als kranker Mann seiner katalanischen Küche treu. Und einer seiner letzten Aufzeichnungen gilt dem Essen, in dem er eine detaillierte Beschreibung des Festmahles gibt, das die Würmer nach seinem Ableben in seinem Körper veranstalten werden. Dessen exakte Widergabe möchte ich Ihnen und mir jetzt jedoch ersparen. Nun, mit einem Festmahl dürften sich die Würmer sehr schwer getan haben, denn nach Dalís Tod wurden sieben Liter Formalin in seine Adern injiziert und sein Leichnam einbalsamiert. Dalí wird als das Vexierbild bezeichnet, in dem sich das 20. Jahrhundert spiegelt. Seine Maxime „In der Kunst ist alles erlaubt“ wurde von den Dadaisten zum Prinzip erhoben. So wurde ein ganz unbekannter Tscheche  namens Andrew Warhola von diesem Prinzip inspiriert.

Mit künstlerisch-kulinarischen Grüßen
verbleibe ich Ihre und Eure
„Wanderköchin“

Marie-Ann Schwenk

 

Leckere Rezepte für den Monat April

 

 

  1. Olivenpastete (Toulouse-Lautrec)
  2. Thymiansuppe (Dalí)
  3. Pampelmuse mit Vanille (Gaugin)
  4. Teigtaschen mit Spinat-Serano-Füllung  (Dalí)
  5. Spinatsalat mit Nussöl (Dalì)
  6. Medaillons nach Art von Aix (Cézanne)
  7. Garnelen-Curry (Gaugin)
  8. Vanille-Soufflé mit Himbeermark (Toulouse-Lautrec)
  9. Champagner-Punsch (Toulouse-Lautrec)
  10. Orangenkuchen (Monet)

 

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